Burgbeschreibung

 

Burg Pfalzgrafenstein

Die Burg bildet im Grundriss ein langgestrecktes ungleichseitiges Sechseck, welches an die Grundform eines stromabwärts fahrenden Schiffes erinnert, von 47 m Länge und 21 m grösster Breite, der dreistöckige Bering, der sich ca. 13 m über den Rhein erhebt, mit fünf runden, oben z. Th. polygonen Eckthürmchen von theils 2,2, theils 2,8 m lichter Weite, die nach aussen nicht vorspringen, birgt in seinem oberen, dreieckigem mit grossen Sandsteinquadern und Kreuzklammern bewehrten Ende das Burghaus.

In dem von offenen Galerien umgebenen (25,1 m langen, bis 12,4 m breiten) inneren Hofe erhebt sich der aussen symmetrisch fünfseitige, im Innern rechteckige Bergfried mit seiner welschen Haube etwa 37 m über den Rhein, seine schärfste Ecke, in welcher eine die 6 Geschossen verbindende Wendeltreppe liegt, dem Burghause zuwendend, im obersten Geschoss mit spitzbogigem, in den beiden vorhergehenden mit rundbogigem Tonnengewölbe versehen.

Burghaus Pfalzgrafenstein

Das Burghaus enthält unten eine in 3 gedrückt rundbogigen Arcaden mit quadraten Pfeilern gegen den Hof geöffnete Halle mit drei rechteckigen rippenlosen Kreuzgewölben und einen kelleratigem trapezförmigen Raum mit Tonnengewölbe, der nur von der Halle aus zugänglich und durch 2 Schlitze beleuchtet ist. Ein in der Mauerstärke befindlicher, in den Felsen hinabgetriebener Brunnenschacht liegt am einen Ende der Halle.

Im zweiten Geschoss hat der Raum über der Halle bei 2,9 m Breite 4 rippenlose Kreuzgewölbe, gegen den Hof in der Mitte einen Kamin zwischen gekuppelten Fenstern, gegenüber 2 durch einen rechteckigen Pfeiler getrennte Arcaden, die eine Verbindung mit dem trapetzförmigen hier durch 2 schmale Fenster erleuchteten und mit einem Stichkappengewölbe überdeckten Raume vermitteln.

Das dritte Geschoss ist modernisiert. Die in einem Eckthurm enthaltene Wendeltreppe verbindet die Geschosse des Burghauses und des Hofberinges.

Hofmauern Pfalzgrafenstein

Die Hofmauern enthalten in 2 Geschossen tiefe Stichbogenblenden, in welchen kleinere Blenden mit schrägen Seitenwänden für die Schiesslöcher liegen.

Im Ergeschoss ist später (etwa im 16. Jahrhundert) jedem Blendenpfeiler gegenüber ein aus einem Stück gehauener Pfeiler von rothem Sandstein aufgestellt worden, der in der Mitte achteckig, unten und oben mittelst einer aus Plättchen und Karnies gebildeten Gliederung ins Viereck übergeführt ist und einen würfelförmigen unten abgeschmiegten Kopf besitzt. Diese Pfeiler tragen auf hohen Stichbogen von Schiefer die Holzgalerien des zweiten Stockes, die sich mit ihren Pultdächern an die Ringmauern legen. Diese sind oben sowohl nach dem Hofe wie nach aussen hin durch roh ausgekragte Rundbogenfriese verstärkt, um den das dritte Stockwerk bildenden Wehrgang aufnehmen zu können.

Thürme Pfalzgrafenstein

Die mit den Galerien in Verbindung stehenden Eckthürme mit Klostergewölben erheben sich über die Satteldächer des Wehrganges und tragen Pyramidendächer. Der am unteren Ende der Burg befindliche Thurm, in welchem das Verliess, enthält oben ein viertheiliges Kreuzgewölbe. Hölzerne beschieferte Erker sind den Eckthürmen im 17. Jahrhundert oben vorgelegt worden. Ein Holzerker schützt auch den stromabwärts befindlichen stichbogigen Eingang zum Burghofe, der, nur durch eine Leiter zugänglich, durch ein Fallgatter verwahrt werden kann, welches durch eine im Erker angebrachte Winde herabgelassen wurde.

Der Bergfried war mittels einer Zug- und Schiebebrücke zugänglich und, wie Merians Ansicht zeigt noch 1645 mit über Friesbogen vorgekragtem Wehrgange und 5 Eckthürmchen versehen, welche das geschweifte Satteldach umgaben.

L. 1873. [Risse und Beschreibung von Baumeister Peters in Wetzlar in den Rheinl. Jahrbüchern a.a.O. 46, S. 50-54 und Tafel 6-9; Ansichten bei Simrock, das malerische Rheinland S. 262 (Westseite); Albert, Rheinalbum; Sachs & Rossel, Nr. 3 (Nordseite).]

Mit freundlicher Unterstützung des Stadtarchivs St. Goarshausen